Mitte in die Vorbereitungsphase unseres Tanzfestes an Pfingsten erreichte uns auf unserer Homepage eine Anfrage aus Peking/China, ob die Hans-von-der-Au-Gruppe Interesse an der Teilnahme am 13th Beijing International Tourism Festival hÀtte.
Ein Mr. Yajing Xue, Organisator des Festivals, erklĂ€rte höflich, dass er ĂŒber das World Wite Web auf die Homepage unserer Gruppe gestoßen sei. Diese Homepage habe ihm so sehr beeindruckt, dass er uns die Möglichkeit an der Teilnahme des Festivals eröffnen möchte. ZunĂ€chst stand hinter diesem Angebot ein großes Fragezeichen, denn dies war die erste Einladung, die auf diese Art an uns herangetragen wurde.
Dass dieses Angebot natĂŒrlich seine Reize in sich barg, machte neugierig und die Gruppenmitglieder waren alle „Feuer und Flamme“ dieses Angebot nĂ€her kennen zu lernen. Erste Erkundigungen ĂŒber voran gegangene Festivals wurden eingeholt und die Vorplanungen konnten beginnen.
Bereits hier kam der erste „Wehrmutstropfen“ zu Tage. Der Flug nach Peking war fĂŒr alle Gruppenmitglieder erschwinglich – die Mitnahme der Instrumente unserer gruppeneigenen Musiker ließ aber unser Budget nicht mehr zu.
Unsere TanzbeitrĂ€ge mussten digitalisiert werden und so machten sich unsere Musiker daran Sonderschichten einzulegen, um dies in vernĂŒnftiger QualitĂ€t abliefern zu können. Zwischenzeitlich wurde ein zeitnaher Kontakt mittels E-Mail zu Mr. Xue aufgebaut. Fast tĂ€glich liefen die Mails zwischen Deutschland und China hin und her. Mit zunehmendem Schriftverkehr wurde auch die Sicherheit grĂ¶ĂŸer, dass es sich bei dem Angebot von Mr. Xue nicht nur um eine aufgesetzte Sache handelte, sondern dass das vorliegende Angebot Hand und Fuß hatte.
Unsere Gruppe wurde mit TĂ€nzern aus Hofgeismar, Annerod, Gladenbach Bensheim und Höchst verstĂ€rkt, so dass wir eine schlagkrĂ€ftige Tanzgruppe zusammenstellen konnten. Erste Probewochenenden wurden vereinbart. Diese waren sehr schweißtreibend, brachten aber den Effekt des Kennenlernens mit sich. So kam schließlich eine Tanzgruppe von insgesamt 24 TĂ€nzern zustande, die auch die spĂ€tere Reise nach Peking antraten. Endlich war es dann so weit:
Die TĂ€nze waren einstudiert und die Tanzmusik war digitalisiert. Die 60-Jahrfeier der HVT, die im Hessenpark Neuanspach groß gefeiert wurde, wurde von uns zum Anlass genommen, dort unsere Generalprobe fĂŒr unseren großen Auftritt in Peking abzuhalten.
Bei schönstem Sommerwetter konnten die einstudierten TĂ€nze im Hessenpark vor sach- und fachkundigem Publikum vorgefĂŒhrt werden. Auch der 1. Vorsitzende der HVT, Torsten Frischkorn, ließ es sich nicht entgehen, unsere Generalprobe zu begutachten. Bereits ĂŒber diese VorfĂŒhrung kann gesagt werden, dass diese beim Publikum ankam. Nun begann das große Warten auf den Tag des Abfluges nach Peking. Die Flugtickets waren gebucht und die Visum-AntrĂ€ge gestellt.
Am 15. Sept. war der Treffpunkt am Frankfurter Flughafen und alle trafen mit einer gewissen Erwartungshaltung dort ein. Das erste High-Light begann bereits am Flughafen. Der Start nach Peking erfolgte dem Airbus A 380.
Ein schöneres FluggefĂŒhl könnte man sich gar nicht vorstellen. Nach 9 Âœ Stunden Flugzeit landeten wir pĂŒnktlich in Peking, wo wir bereits von unserem Tour Guide Dong Changkun (genannt Quincy) empfangen wurden.
Die erste Überraschung folgte auf dem Fuße – statt in unser Hotel gebracht zu werden, um sich dort etwas Ruhe nach dem langen Nachtflug zu gönnen, wurden wir sofort in das Pekinger Stadtleben gefĂŒhrt. Die erste von vielen Sightseeing-Touren fĂŒhrte uns zum Olympiapark. Hier entstand das erste Gruppenfoto fĂŒr die chinesische Presse.
Zum Mittagessen wurden wir in ein echtes Chinesisches Restaurant gefĂŒhrt, wo einige von uns erstmals mit der chinesischen Esskultur (StĂ€bchenessen) Bekanntschaft machten. Auch nach dem Mittagessen gönnte man uns keine Ruhe. Ohne Aufenthalt ging es weiter zur Generalprobe – in Tracht. Im Bus und vor dem Bus wurden die Koffer geöffnet und die entsprechenden Trachtenteile zu Tage gefördert. Umziehen – selbstverstĂ€ndlich im Bus und davor. Das sollte sich fĂŒr die ĂŒbrigen Tage als NormalitĂ€t herausstellen und wurde mit einer gewissen Gelassenheit hingenommen.
Erst am frĂŒhen Abend konnten wir unser Hotel aufsuchen und eine Entspannungsphase einlegen. Der nĂ€chste Tag war voll gepackt mit Besichtigungen. Eine Stadtrundfahrt mit der Besichtigung des inneren und Ă€ußeren Kaiserpalastes, dem Platz des „Himmlischen Friedens“, das Mao-Mausoleum und der verbotenen Stadt ließen uns unsere Strapazen vergessen. Am frĂŒhen Nachmittag war unser erster Auftritt eingeplant. Dieser Tanzdarbietung schloss sich unmittelbar eine Parade durch Peking an. WĂ€hrend einzelner Stopp`s wurden weitere Tanzeinlagen dargeboten.
Begeisterte Zuschauer sĂ€umten den Paradeweg und waren begeistert. Die ĂŒberschwĂ€ngliche Freude dieser Menschen war so groß, dass sie sogar ĂŒber die Absperrung stiegen, um sich mit uns fotografieren zu lassen.
Nach der Parade war der Tag aber noch lange nicht zu Ende. Der Besuch eines Teehauses schloss sich an. Bei einer echt typischen, chinesischen Teezeremonie wurde uns alles Wissenswerte ĂŒber verschiedene Teesorten und deren Zubereitung vermittelt. Den Abschluss des Tages verbrachten wir in einem Akrobatik-Theater. Seilakrobaten und Schlangenmenschen mit der vollkommenen Harmonie von Körper und Geist konnten bewundert werden.
Der folgende Tag war mit weiteren High-Lights voll gepackt. Den Anfang machte die Besichtigung einer Jadeverarbeitungsfabrik. Dann kam die große Erwartung an die Reihe – die „Chinesische Mauer“.
Alle hatten diesem großen Moment entgegen gefiebert. Der Wunsch aller war, die „Chinesische Mauer“ in Tracht zu besuchen und einen Teil der Mauer zu erklimmen. Aber bereits bei der Anfahrt mit Blick auf die Mauer ließ uns von diesem Vorhaben sofort Abstand nehmen. An den zugĂ€nglichen Stellen ist die Treppenanlage der Mauer so steil, dass man sogar als geĂŒbter Wanderer seine konditionellen Schwierigkeiten hatte, diese zu bewĂ€ltigen. Wir einigten uns darauf, am Fuße der Mauer ein Gruppenfoto in Tracht zu machen. Den Rest der Mauerfreizeit wurde in leichter Kleidung absolviert. Nach einer ausreichenden Kletterpartie trafen wir uns alle am Bus, um von dort die Fahrt zum Sommerpalast der chinesischen Kaiser anzutreten. Am Eingang des Sommerpalast wurden wir mit dem Radetzky-Marsch begrĂŒĂŸt.
Eine Schifffahrt auf dem an den Park angrenzenden See mit einem Drachenboot folgte. So konnten wir einen Überblick ĂŒber die GrĂ¶ĂŸe des Sommerpalastes mit umgebendem Park gewinnen.
Den Abschluss des ereignisreichen Tages bildete der Besuch einer Karaoke-Bar. Hier tat sich unser Guide Quincy als hervorragender Karaoke-SĂ€nger hervor.
Zu unserem Tour-Guide nur eine kleine Anmerkung an dieser Stelle:
Der Wohnsitz von Quincy wurde kurzerhand nach „Hetzbach“ in die „Triebstraße“ verlegt, was zum Ausdruck bringen sollte, dass er immer in Bewegung war und er versuchte, dies auf uns zu ĂŒbertragen. Das war verstĂ€ndlich, denn Quincy versuchte in der sehr kurzen Zeit unseres China-Aufenthaltes so viel wie möglich EindrĂŒcke zu vermitteln. Quincy verband dies aber mit einer Herzlichkeit und Freundlichkeit, die uns sehr gefiel.
Es ging weiter Schlag auf Schlag. Augen auf, Duschen, FrĂŒhstĂŒcken und schon standen wir am nĂ€chsten Morgen vor einer Seidenfabrik. Die Entstehung der Seide, beginnend mit den Seidenlarven, ĂŒber das Einpuppen bis hin zum Gewinnen der SeidenfĂ€den und der Verarbeitung der Seidengarnes wurden alle wichtigen Stationen der Entwicklung ausfĂŒhrlich erklĂ€rt und teilweise demonstriert. Diese VorfĂŒhrung war sehr beeindruckend, die sich anschließend auch im Kauf von Seidenprodukten niederschlug. Ein Erlebnis der besonderen Art war die darauf folgende Rikscha-Fahrt durch die Altstadt von Peking. Einen krasseren Gegensatz, was wir vorher von Peking gesehen hatten, kann man sich eigentlich nicht vorstellen. Schmale, verwinkelte Gassen, kleine HĂ€user oder auch nur ein paar Quadratmeter große Wohnungen, bis hin zu den öffentlichen Toiletten, die an jeder Straßenecke zu finden waren. Die vielen Toiletten deshalb, weil die meisten Wohnungen in der wirklichen Altstadt Pekings keine eigene Toilette besitzen.
Der Nachmittag wurde in Wartestellung fĂŒr einen Auftritt in einem Freizeitpark Pekings zugebracht. Die Reihenfolge der Gruppen fĂŒr den großen Umzug wurde zusammengestellt und schon ging es los zum letzten offiziellen Auftritt.
Mit der GeschenkĂŒbergabe des Organisationskomitees an die teilnehmenden Gruppen ging unser Aufenthalt in Peking langsam zu Ende.
Der letzte Abend wurde im Hotel bzw. an den kleinen GarkĂŒchen in den Seitenstraßen verbracht. Ein letztes chinesisches Bier und es war Zeit zum Koffer packen.
Bei Anbruch des letzten Tages waren wir bereits auf dem Weg zum Flughafen. Quincy, unser Tour-Guide, blieb bis zur letzten Minute an unserer Seite. Letztendlich hieß es dann doch Abschied von ihm zu nehmen, die im Gegensatz zu den chinesischen Sitten recht herzlich ausfiel.
Die Entscheidung, die Einladung zu dem Folklorefestival in Peking anzunehmen, hat sich bereits in Peking als sehr gute Entscheidung heraus gestellt. Angefangen von den Organisatoren der Veranstaltung bis hin zur normalen Bevölkerung wurde uns nur Sympathie und Herzlichkeit entgegen gebracht. Das allgemeine ResĂŒmee der Gruppe auf den Punkt gebracht – froh dabei gewesen zu sein und eine solche Fahrt jederzeit wieder zu unternehmen.